Ostsachsen darf nicht abgehängt werden ? Semmeringbahn erhalten!

01. Jul. 2004 –

Mit dem nächsten Fahrplanwechsel soll die Semmeringbahn von Bautzen über Neustadt in Sachsen nach Bad Schandau eingestellt werden. Dazu erklärt Peter Hettlich, sächsischer Bundestagsabgeordneter und Sprecher der Arbeitsgruppe Ost der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen:

 

Der Freistaat Sachsen erhält im Jahr 2004 für die Organisation des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und 487,7 Mio. EUR vom Bund. Dieser Betrag steigt in den kommenden Jahren kontinuierlich. Die rot-grüne Bundesregierung stellt den Ländern im Rahmen des Regionalisierungsgesetzes diesen sehr ambitionierten Finanzrahmen mit dem Ziel zur Verfügung, den öffentlichen Verkehr ? insbesondere die Bahn - vorrangig zu entwickeln und auszubauen.

 

Die Investitionen in den ÖPNV werden allerdings sehr ungleich verteilt. Pro Einwohner investiert der Freistaat in der Nahverkehrsregion Oberlausitz- Niederschlesien beispielsweise nur ein Zehntel der Summe für den Raum Oberelbe.

 

Experten sind sich einig, dass eine wichtige Vorraussetzung für Wachstumsimpulse im Tourismus die angemessene Erschließung durch den ÖPNV ist. Tourismus ist der Wirtschaftsbereich mit den besten Zukunftsaussichten in der Sächsischen Schweiz und im Oberlausitzer Bergland. Im ÖPNV genießt die Bahn gegenüber dem Bus deutliche Sympathie- und Akzeptanzvorteile, beispielsweise wegen der Fahrradmitnahme. Die Eisenbahnanbindung ist daher zweifellos ein wichtiger Standortfaktor für die touristische Entwicklung strukturschwacher Regionen. Die Stilllegung der Semmeringbahn würde einen herben Rückschlag für die Region darstellen. Dabei wurde der Gleisoberbau in den letzten zehn Jahren auf der gesamten Strecke erneuert. Dies wäre ein weiteres Beispiel für eine verfehlte Verkehrspolitik in Sachsen.

 

Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass trotz anders lautender Bekenntnisse kaum ein Umlenken des Verkehrs von der Straße auf die Schiene stattgefunden hat. Insbesondere Nebenstrecken wurden von der Deutschen Bahn sowie dem Freistaat Sachsen stiefmütterlich behandelt. Nun sollen weitere Angebote einer Kahlschlagpolitik zum Opfer fallen. Der Rückzug der Bahn aus der Fläche ist gekoppelt mit verfehltem Management: Die Verkehrsangebote der Landkreise werden nicht mit dem Schienenpersonennahverkehr abgestimmt und der Freistaat und seine Zweckverbände haben die Entwicklungsplanung für den Schienenverkehr nicht mit Infrastrukturmaßnahmen der anderen Verkehrsträger abgestimmt. Diese Entwicklung legt nahe, dass weder Freistaat noch Bahn Interesse für Strecken mit vergleichsweise geringen Fahrgastzahlen haben.

« Zurück | Blog: Nachricht »

Newsletter Rückschau
Hier für euch zum Nachlesen die fünf letzten Ausgaben unseres wöchentlichen Newsletters. Viel Spaß beim Stöbern!
Newsletter KW 30 / 2022
Dienstag, 26. Juli 2022
Der Klimawandel und die damit verbundene Trockenheit schlagen gerade mit aller Härte zu: Der Brand in der Böhmischen Schweiz ist verheerend, eine Fläche der Größe von über 42 Fußballfeldern brennt. Wir sind in Gedanken bei den Menschen vor...
Newsletter KW 29 / 2022
Dienstag, 19. Juli 2022
Die in dieser Woche begonnenen Sommerferien bedeuten für viele auch eine kleine Verschnaufpause und Zeit für Urlaub. Auch wenn die Hitze es heute und morgen vor allem in Innenräumen erträglich machen, ist in den kommenden sechs Wochen für alle...
Newsletter KW 28 / 2022
Dienstag, 12. Juli 2022
38,3 Prozent haben am Sonntag nicht gereicht, damit Eva Jähingen Oberbürgermeisterin von Dresden und damit auch erste bündnisgrüne Oberbürgermeisterin in Ostdeutschland wird. Doch ob Klima- und Umweltschutz, sozialer Zusammenhalt...
Newsletter KW 27 / 2022
Dienstag, 05. Juli 2022
Die erste Runde der zweiten Wahlgänge bei den Kommunalwahlen haben wir hinter uns. Wir gratulieren Dirk Neubauer von Herzen zur Wahl als Mittelsachsens Landrat. Die CDU-Dominanz in unseren Kommunen ist keine Gewissheit mehr. Auch das sehr gute...
Newsletter KW 26 / 2022
Dienstag, 28. Juni 2022
Erleichterung und Entsetzen lagen am vergangenen Freitag sehr nah beieinander: Der Bundestag hat endlich die längst überfällige Streichung des §219a beschlossen. Ärzt*innen können jetzt endlich auf legalem Weg über Schwangerschaftsabbrüche...
image/svg+xml
image/svg+xml

Diese Website ist gemacht mit TYPO3 GRÜNE, einem kostenlosen TYPO3-Template für alle Gliederungen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
TYPO3 und sein Logo sind Marken der TYPO3 Association.